Authentische Mitgliederkommunikation

Authentische Mitgliederkommunikation

Beitrag in renomierter Fachzeitschrift Public Relations Review betrachtet die Mitgliederkommunikation der deutschen Großkirchen unter Einfluss der Digitalisierung und der religiösen Transformation in Deutschland

Wiesenberg_2019_Authentic church membership communication

Ausgewählte Highlight

  • Erste vergleichende Fallstudie zur Mitgliederkommunikation der römisch-katholischen und protestantischen Kirche
  • Die Literaturaufarbeitung zeigt zunächst eine große Lücke in der Öffentlichkeitsarbeit religiöser Organisationen auf
  • Die Ergebnisse einer empirischen Studie verdeutlichen einen Wandel von der persönlichen zur medial vermittelten Kommunikation primär auf der höheren professionellen kirchlichen Ebene
  • Die Ergebnisse verdeutlichen eine Doppelstrategie: Höhere Kirchenebenen erweitern digitale Kanäle, während die Gemeinden häufig primär auf persönliche Kommunikation setzen
  • Schlussfolgerungen werden in Bezug auf die Auswirkungen der Öffentlichkeitsarbeit auf die religiöse Kommunikation und die Kommunikation mit Kirchenmitgliedern explizit gezogen

Zusammenfassung

In den meisten europäischen Ländern haben die einst etablierten christlichen Konfessionen im vergangenen Jahrhundert an Boden verloren. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Art von Kommunikation Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften nutzen, um relevant zu bleiben und weiterhin mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu treten und zu bleiben – was auf die Mitgliederkommunikation abzielt.

Auf der einen Seite betonen Religionssoziologen die Bedeutung der persönlichen Kommunikation für Religionsgemeinschaften, um Authentizität und Plausibilitätsstrukturen (insbesondere in einer pluralistischen und säkularen Welt) zu erhalten. Andererseits unterstreichen Medien- und Kommunikationswissenschaftler die Möglichkeiten, die insbesondere digitale und damit medien-vermittelte Kommunikation heute spielt. Dies führt zu der Frage, ob sich die Kommunikation der Kirchen mit ihren Mitgliedern von der persönlichen Kommunikation zu einer stärker vermittelten Kommunikation verlagert hat.

Um diese Frage zu beantworten, wurde eine vergleichende Fallstudie auf Basis eines mehrstufigen Methodenmixes realisiert (vgl. ausführlich hier). Diese gibt Einblicke in die Mitgliederkommunikation der beiden großen deutschen Konfessionen (evangelisch und römisch-katholisch).

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Wandel von der persönlichen zur medien-vermittelten und primär digitalen Kommunikation auf den oberen Kirchenebenen. Interessanterweise verwies nur eine kleine Minderheit der befragten PR-Experten auf die Bedeutung der persönlichen Kommunikation und deren Authentizität. Im Gegensatz zur professionellen Kommunikation konzentrieren sich die lokalen Kirchengemeinden und Pfarreien noch immer besonders stark auf die persönliche und traditionelle medien-vermittelte Kommunikation wie den Gemeinde- bzw. Pfarrbrief.

Originalauszug

Sociologists like Berger and Luckmann, as well as Luhmann, place tremendous emphasis on the importance of religious communication for the individual belief system as well as the public understanding of religiosity (cf. Taylor, 2007). Interestingly, all these sociologists stress face-to-face communication as superior to mediated communication. For Berger and Luckmann (1966), only face-to- face communication is effective religious communication:

The longer these techniques are isolated from face-to-face confirmations, the less likely they will be to retain the accent of reality. (pp. 174–175)

Thereby, only in a group like a congregation, do the plausibility structures endure because of its authenticity (Berger & Luckmann, 1966).

Philosophers like Jaspers (1957; 1973) even refer to the existential component inherent in face-to-face dialogical communication (concept of existential communication). He sees communication as the „universal condition“ of the human being, so much so that our „comprehensive essence“ – what we are and what life is for us – are both „bound up with communication“ (Jaspers, 1957, p. 79). Therefore, only through face-to-face communication with others can we come to ourselves. This concept of dialogue has fundamentally influenced communication studies in general and public relations specifically (Gordon, 2009; Gutiérrez-García, Recalde, & Piñera-Camachoc, 2015; Kent & Taylor, 2002; Pieczka, 2011; 2015; Sommerfeldt & Yang, 2018; Toledano, 2018).

Having said this, the concept of authenticity builds to a great extent on the existential component of communication (for an overview see Molleda, 2010), although public relations scholars use this concept mostly for their instrumental view (Pieczka, 2015).

Wiesenberg Markus, Public Relations Review, https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2019.101817

Quellenverweis und Link zur Studie

Wiesenberg, M. (2019). Authentic church membership communication in times of religious transformation and mediatisation. Public Relations Review (In Press, Corrected Proof, https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2019.101817).